Antikapitalistisches Zeltlager

Mitte Juli fand das erste internationale Zeltlager des Antikapitalistischen Kollektivs statt. In einer sozialistischen Gemeinschaft wurden neue Strategien erarbeitet. Mehrere Arbeitskreise widmeten sich der praktischen Arbeit und neuen Standards.

Die anreisenden Gruppen und Einzelpersonen aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland hatten dank guter Vorarbeit keinerlei Probleme in Form von Kontrollen oder Angriffen. Nach mehr oder weniger langen Reisewegen ging es für die meisten, nach einer ersten Einweisung durch das Orgateam, in die Zelte. Es galt Kraft für den kommenden Tag zu sammeln. Nach einem gemeinsamen Frühstück teilte man sich in verschiedene Arbeitskreise auf. In diesen sprachen wir über die aktuellen Probleme unserer Bewegung und setzten neue Standards fest. Wie immer kamen wir zu vielen, neuen Ergebnissen, welche nun umgesetzt oder in die Gruppen hinein getragen werden. Einige dieser Standards finden den Weg in kommende Leitfäden. Der Arbeitskreis „International Networks“ schaffte weitere Grundsteine für die Zusammenarbeit zwischen europäischen Gruppen, die anderen erarbeiteten großteils praktische Taktiken für kommende Aktionen und Demonstrationen. Jeder Arbeitskreis trug seine Ergebnisse in kurzen Vorträgen oder Schauspielen vor.

Nach kurzen Diskussionen kamen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt. Die Teilnehmer wechselten ihre Klamotten, um auf freier Fläche neue Strategien und Taktiken für Demonstrationen und Aktionen zu trainieren sowie die vorher erarbeiteten Standards vorzuführen. Insbesondere die Abwehr von Angriffen sowie der Umgang mit Verletzten waren erneut wichtiger Bestandteil. Gruppendynamik, Erste Hilfe und Optimierung der neuen und alten Taktiken waren nur einige Punkte der Praxisübungen. Hier nutzen uns auch unsere Erfahrungen, insbesondere mit der zunehmenden Polizeigewalt, der letzten beiden 1. Mai Demonstrationen in Saalfeld und Plauen. Auf die gemeinsame Großdemonstration am 1. Mai 2017 in Halle sind wir nun also bereits vorbereitet, trotzdem werden einige weitere Vorabtreffen stattfinden.

Im Anschluss kamen alle zu einer Nachbesprechung zusammen. Selbst organisierte Boxübungen, Sportspiele und kreative Arbeiten bei optimalem Sommerwetter überbrückten die Zeit bis zum nächsten Tagesordnungspunkt. Am Nachmittag stand ein Plenum unter dem Motto „Die Szene überwinden, die Bewegung aufbauen“ an, bei dem interne und das AKK betreffende Anträge diskutiert wurden, welche die verschiedenen Aktionsgruppen im Voraus eingereicht hatten. Nach dem erfolgreichen Plenum bereitete eine Gruppe das Abendessen zu, während die anderen sich auf den Weg in die Natur machten um Feuerholz für den Abend zu sammeln. Als letzter Tagespunkt stand eine Podiumsdiskussion auf der Agenda, bei der die Vertreter verschiedener Gruppen und Organisationen teilnahmen, die sich bereits in der Vergangenheit durch kompetente Arbeit innerhalb der Bewegung hervorgetan haben und in Zukunft auch weiterhin als Sprecher fungieren.

Ausführlich wurde nun mehrere Stunden bis in die tiefe Nacht hinein diskutiert. Beispielsweise über so manch haltlosen Vorwurf, welcher die letzten Wochen aufgrund verschiedenster Aktionen der AKKs in den sozialen Netzwerken kursierte. Außerdem gab es Raum um alle Probleme innerhalb der Bewegung und auch mit Organisationen direkt anzusprechen, da von den meisten Vertreter vor Ort waren um sofort Stellung nehmen zu können. So schafften wir es erneut Spaltern und Hetzern erst gar keine Plattform zu geben. Die Moderatoren lenkten die Diskussion bewusst zu den neuralgischen Punkten, damit aus kleineren Haarrissen keine unüberwindbaren Gräben werden.

Wir erarbeiteten auch gemeinsame Konsequenzen im Umgang mit eben diesen Personen, Organisationen oder Zuständen. Die politische Ausrichtung und die Definition politischer Begriffe in der nationalen und internationalen Zusammenarbeit wurden ebenso besprochen. Die ausländischen Aktivisten berichteten von ihrem Arbeitskreis und der politischen Arbeit in ihren Ländern. Neben weltanschaulichen Themen ging es auch darum, realpolitische Aktionen durchzusprechen, gerade im Hinblick auf die sozialen Proteste in Frankreich oder die Großdemonstrationen gegen CETA & TTIP im September. Während des Podiums konnte jeder unserer Sprecher auf Herz und Nieren überprüft werden, denn diese müssen auch in Zukunft das Sprachrohr des gesamten AKK sein. Das vorausgegangene Ziel, eine lösungsorientierte Podiumsdiskussion durchzuführen, wurde erreicht. Bis tief in die Nacht hinein saßen wir nach einem anstrengenden, aber sehr erfolgreichen, Tag gemeinsam am Lagerfeuer und sangen unser Liedgut. Der Sonntag wurde hauptsächlich zur Nachbearbeitung und Aufgabenverteilung genutzt. Die offene Atmosphäre ermöglichte auch hier wieder selbstorganisierte Diskussionskreise welche mehr bewirkten als wochenlange Telefonate und Kurznachrichten.

Unser Fazit: Das Zeltlager war ein voller Erfolg. Vor allem deshalb, weil sich alle Teilnehmer sehr diszipliniert und angemessen Verhalten haben. Wir haben die anvisierten Ziele erreicht und nun geht es darum, wieder realpolitisch zur Tat zu schreiten. Die drei Tage verliefen absolut störungsfrei, was ebenfalls als positiv zu werten ist. Weder Polizei, noch Antifa konnten das Zeltlager verhindern.

Ein paar Worte an die Presse: Es ist schon fast lächerlich, wenn man uns unter falschen Namen kontaktiert und versucht, Informationen über das Zeltlager zu erlangen und sich gleichzeitig ganz offen als Pressemitarbeiter meldet um gegebenenfalls ein Interview durchzuführen. Ein fairer Umgang sieht anders aus. Unsere Sprecher wären vermutlich durchaus bereit gewesen für anfallende Fragen zur Verfügung zu stehen. Wir verstehen uns unter anderem als Sprachrohr jener Aktivisten, die aufgrund von Repressionen und Verfolgung auf Anonymität angewiesen sind. Der Schutz dieser Aktivisten hat für uns oberste Priorität.

Ein Dank geht an alle Helfer und besonders die veranstaltenden Gruppen, welche diese Tage erst möglich gemacht haben. Wieder einmal merkten wir, dass sich all die Arbeit lohnt um am Ende eben kein Mitläufer einer Szene, sondern aktiver Teil einer kämpfenden Bewegung zu sein. Gestärkt geht es nun weiter: Keine Kompromisse, keinen Schritt zurück!

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